Scheideninfektion

Eine Frage des Gleichgewichts

Die natürliche Scheidenflora der gesunden Frau besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Bakterien, die gemeinsam ein wichtiges Schutzschild vor unangenehmen Infektionen bilden. Zahlreiche Laktobazillen, die nach ihrem Entdecker auch als „Döderlein-Bakterien“ bezeichnet werden, sorgen für ein leicht saures Milieu, in dem sich krankmachende Keime nur schwer vermehren können.

Video: Tabuthema Vaginalinfektion. Achtung vor falscher Selbstdiagnose!
Dr. Christine Chung, MPH (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Wien) gibt einen Überblick zum Thema Scheideninfektionen. Sie erklärt, warum das Tabu gebrochen werden muss und wie Frauen die Problematik bestmöglich vermeiden können (Juli 2020)

Wie kommt es zu einer Scheideninfektion?

Das sensible vaginale Gleichgewicht kann durch eine Vielzahl von körpereigenen und äußeren Faktoren gestört werden: Stress, Antibiotika, hormonelle Verhütungsmittel, ein geschwächtes Immunsystem, chronische Grunderkrankungen, übertriebene bzw. falsche Intimhygiene, ungeschützter Geschlechtsverkehr oder hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft oder den Wechseljahren können die Balance des natürlichen Scheidenmilieus leicht zum Kippen bringen. Wichtige Laktobazillen werden dann reduziert und in Folge können sich unerwünschte Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze ansiedeln und ungehindert vermehren. Dieses Ungleichgewicht nennt man auch Dysbiose.

Sie sind nicht allein!

Tatsächlich sind ca. 70 % der Frauen regelmäßig von Infektionen im Intimbereich betroffen: unangenehmes Brennen, quälender Juckreiz oder ein übelriechender Ausfluss sind meistens keine Anzeichen mangelnder Hygiene, sondern oft ein deutlicher Hinweis auf eine Scheideninfektion.

Welche Erreger verursachen eine Scheideninfektion?

Scheideninfektionen werden hauptsächlich durch Bakterien (40-50% der Fälle) oder Pilze (20-25%) ausgelöst, selten sind Einzeller oder Viren zu finden.
Doch nicht immer ist nur eine einzige Erregerart für das Krankheitsbild verantwortlich: Häufig spricht man von einer Mischinfektion (das bedeutet Bakterien und Pilze sind gleichzeitig zu finden).

Bakterielle Vaginose

40-50%

Vulvovaginale Candidose

20-25%

Selbstdiagnose „Pilzinfektion“ – ein vorschneller Schluss?

Obwohl die bakterielle Vaginose die mit Abstand häufigste mikrobiologische Störung der natürlichen Scheidenflora darstellt, wird gerade die Therapie des Vaginalpilzes in den Medien breit beworben.

Eine Studie hat gezeigt, dass nur etwa ein Drittel der Frauen, die ein rezeptfreies Apothekenprodukt zur Therapie einer Pilzinfektion kauften, auch tatsächlich die richtige Selbstdiagnose gestellt hatten! Das heißt die Mehrheit der Frauen hätte sich mit einem unzureichend geeigneten Produkt selbst behandelt. Die Symptome bleiben und es geht wertvolle Zeit bis zur korrekten Diagnose verloren. Das Risiko, dass eine bakterielle Vaginose verschleppt wird, ist durchaus beträchtlich.

Bakterien oder Pilze?

Die betroffene Frau kann die Erregerart nicht selbst feststellen – dies ist nur durch den Gynäkologen mittels Abstrich möglich. Daher ist es gerade bei der Selbsttherapie vorteilhaft, ein geeignetes Produkt mit einer breiten Wirksamkeit aus der Apotheke zu holen!

Wie macht sich eine Scheideninfektion bemerkbar?

Die klinischen Symptome einer Scheideninfektion sind sehr vielseitig und können je nach Erreger und abhängig vom weiblichen Immun- bzw. Hormonstatus sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, einander ähneln oder sogar gänzlich fehlen. Bei Bakterien- und Pilzinfektionen ist besondere Vorsicht geboten, da sie – ohne ärztliche Abklärung – häufig verwechselt werden.

Typische Anzeichen können sein:

  • Unangenehmer (vermehrter) Ausfluss
  • Rötung im Bereich der Schamlippen
  • Starker Juckreiz
  • Schmerzen (Brennen) beim Toilettengang / Geschlechtsverkehr
  • Leichte Blutungen

Gezielte Hilfe bei Scheideninfektionen

Die Therapie einer Scheideninfektion richtet sich immer nach dem verursachenden Erreger!

Wird die Infektion von mehreren Keimen (z.B. Bakterien und Pilze) gleichzeitig hervorgerufen, dann müssen unbedingt beide Komponenten behandelt werden, um die Ursache nachhaltig zu beseitigen. Dies erfolgt entweder mithilfe von Einzelwirkstoffen (z.B. Antibiotika gegen Bakterien, Antimykotika gegen Pilze) oder auch breit wirksame antiseptischen Substanzen (z.B. Octenidin).

Achtung

Ein unnötiger und/oder fehlerhafter Einsatz von Antibiotika und Antimykotika erhöht das Risiko einer Resistenzentwicklung der Krankheitserreger – therapieresistente Bakterien oder Pilze erschweren einen nachhaltigen Behandlungserfolg enorm. Darüber hinaus erhöht eine Antibiotikaeinnahme oft das Risiko für eine nachfolgende Pilzinfektion im Intimbereich.

Antiseptika: Lokal, schnell und breit antimikrobiell wirksam

Antiseptika sind Wirkstoffe, die Erreger von Infektionskrankheiten wie z.B. Bakterien und Pilze gleichermaßen abtöten können. Der Wirkmechanismus ist dabei unspezifisch, das bedeutet, dass die Mikroorganismen kaum Abwehrstrategien dagegen entwickeln können. Eine Resistenzbildung – wie sie bei Antibiotika oder Antimykotika bekannt sind – ist damit sehr unwahrscheinlich.

Ein weitere Vorteil ist, dass Antiseptika, wie das Arzneimittel octenisept® (Wirkstoff: Octenidin), lokal angewendet werden können – Octenidin wird darüber hinaus auch nicht in den Körper aufgenommen und kann die Wirkung schnell und zielgerichtet am Ort der Infektion entfalten.

Tipp

Aufgrund des breiten Wirkspektrums können Antiseptika die Therapie einer vaginalen Mischinfektion wesentlich vereinfachen!